Wer hat sich, wenn er in der Großstadt wohnt, nicht schon einmal gewünscht, auf dem Land zu leben? Nun, der Held des Romans "Nenn mich Norbert" hatte diesen Wunsch nie. Es war seine Frau, die es in die Idylle zog. Kaum waren sie umgezogen, erkrankte sie schwer und ließ nach ihrem frühen Tod den zweibeinigen Norbert, der den vierbeinigen Namensvetter erst noch finden musste, alleine mit einem Haus im Sauerland zurück.

Dieses Haus, das man sich eher als Villa vorstellen muss, steht in dem Roman in einem kleinen dörflichen Vorort in der Nähe der wunderschönen Kleinstadt Balve, vielen durch Europas größte Kulturhöhle - die Balver Höhle - ein Begriff.

Als ich, die selbst 2 Jahre in Balve lebte, dorthin zog, war ich schon ein wenig auf das Ländliche eingestellt. Der Umzug aus der Großstadt Essen ins vergleichsweise beschauliche Iserlohn hatte mich bereits - im positivsten Sinne - geerdet und empfänglich gemacht für das, was mich in 'meinem' Dorf erwartete.

Abgesehen von atemberaubender Natur und Platz satt musste ich, trotz der schönen Erfahrungen in Essen-Frintrop und später in Iserlohn, einen Begriff völlig neu definieren: Nachbarschaft. Gut gelaunt, trinkfest und unaufdringlich aufmerksam gab man mir Zeit 'anzukommen', in allen Bedeutungen, die man dem Wort zuschreiben kann.

Und so wurden die Chats mit Fremden im Internet bald abgelöst durch brüllend komische Nachbarschafts-Events, der Fernseher wurde ersetzt durch lange Abende in den unterschiedlichsten Gärten, kaum ein Rundgang mit dem Hund, der nicht mit einer Tasse Kaffee auf einer fremden Terrasse endete, und kein Dorfritual, in das man mich nicht grinsend einweihte. Ein Einzelfall? Vielleicht. Aber: Wohin ich in den zwei Jahren auch kam, wen immer ich auch kennenlernte, immer begegnete man mir strahlend, immer gab es viel zu lachen und meistens viel zu trinken. Das ist kein Zufall, das ist Mentalität.

Das 'Ankommen' verlief für mich also weit weniger dramatisch als für meinen Helden. Der Protagonist des Romans muss seinen Weg erst machen. Das ist auf dem Land ein Abenteuer der besonderen Art.

Alle Figuren im Buch sind natürlich frei erfunden, ebenso wie die Handlung. Ähnlichkeiten sind reiner Zufall. Wenn aber so viele nette Leute gleichzeitig einen bleibenden Eindruck hinterlassen, dann mag es wohl sein, dass ihre liebenswertesten Züge sich in dem ein oder anderen sympathischen Charakter wiederfinden. Wer diesen Eindruck hat, der mag das als Kompliment für sich persönlich auffassen.